Testverfahren der Borreliose

Zitat aus http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/zecken

Nur der Erregernachweis ist krankheitsbeweisend!", betonte Dr. Armin Schwarzbach, Laborarzt aus Augsburg, bei der Jahrestagung der Deutschen Borreliose-Gesellschaft in Erfurt.

Jedoch ist die Erfolgsrate solcher Nachweisversuche eingeschränkt. Nach Angaben des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien ist ein Erregernachweis aus der Haut bei Erythema migrans mit der Kultur oder Polymerasekettenreaktion (PCR) zu 50 bis 70 Prozent erfolgreich, ein Erregernachweis bei Neuroborreliose im Stadium II in der Kultur und mit PCR gelingt nur in zehn bis zwanzig Prozent der Fälle. Und bei Lyme-Arthritis kann man mit der PCR lediglich bei 50 bis 70 Prozent der Patienten aus dem Gelenkpunktat den Erreger nachweisen.Trotz dieser ernüchternden Daten werde derzeit nicht an einer Verbesserung der Teste gearbeitet, kritisierte Schwarzbach. Er und weitere Spezialisten beschreiben den ELISA-Suchtest, der die Gesamtmenge der im Blut vorliegenden Antikörper gegen Borrelia burgdorferi darstellen soll, als völlig ungeeignet.Denn die Ergebnisqualität sei durchweg schlecht: Die Inter-Assay-Varianz liege zwischen 34 und 59 Prozent, die Sensitivität irgendwo zwischen 18 und 66 Prozent. Schwarzbach: "Vertrauen Sie nicht dem ELISA. Schließen Sie bei negativem ELISA nicht die Borreliose aus!"

Er sprach sich dafür aus, nur noch den Immunoblot als Borrelien-Nachweis zuzulassen, da er mit etwa 95 Prozent hochspezifisch und auch etwas sensitiver sei. Allerdings lassen sich auch damit bei vier bis sechs von zehn Patienten, trotz akuter oder chronischer Infektion, auch keine Borrelien-Antikörper nachweisen.

Weiter lesen im o.g. Link oder direkt auf der Page von Labor von Dr. Schwarzbach:
https://www.arminlabs.com/de/services/tick-borne-diseases/lyme-borreliosis 

Die Lyme-Borreliose wird aufgrund des Beschwerdebildes diagnostiziert, denn es gibt derzeit keinen Test, der definitiv eine Infektion mit den verantwortlichen Krankheitserregern bestätigen bzw. eine Aussage darüber erlauben würde, ob diese Infektion die Symptome eines Patienten verursacht und keine, die sie ausschliessen kann. Antikörper sind immer nur Beweise für eine Infektion, die es irgendwann mal gab. Darüber hinaus soll es 4 Millionen Forschungsprojekte darüber geben, was alles in einer Zecke drin sein kann. Das gesamte Krankheitsbild muss in Betracht gezogen werden, ebenso wie die Suche nach Begleitumständen und alternativen Diagnosen sowie nach anderen Ursachen für Teilbereiche der vorgebrachten Beschwerden.

Erreger-Nachweis - Titer-Bestimmung Borreliose - Zecken einschicken

Früherkennung - man kann die Zecke einschicken für eine Zecken PCR: Frühdiagnostik bei Borreliose-Verdacht - Das Ganze ist aber umstritten, der Nutzen fraghaft.

Mit Hilfe der so genannten Zecken-PCR lässt sich zwar in kurzer Zeit klären, ob eine Zecke selbst mit Borrelien infiziert ist. Bei diesem labormedizinischen Verfahren wird das Erbgut (DNA) des Erregers in der infizierten Zecke nachgewiesen. Mittels „one-step“ Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) wird die Borrelien-DNA vermehrt und anschließend durch Hybridisierung an hochspezifischen Gensonden nachgewiesen. Für diese Untersuchung ist die Zecke — so schnell wie möglich nach dem Zeckenstich — ins Labor zu senden. Auch tote Zecken können analysiert werden.

 Allerdings kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass, wenn Borrelien in der Zecke gefunden wurden, diese auch in den Körper vom Menschen gelangt sind. Das liegt erstens an der Saugzeit, zweitens am Milieu, am funktionierenden Immunsystem, ob sich der Mensch überhaupt ansteckt bzw. infiziert. Einfach dann Antibiotika mit seinen ganzen möglichen Nebenwirkungen verabreichen - davor wird abgeraten. 

Dann sind da noch Zeckenschnelltests auf dem Markt, die man für wenig Geld kaufen und in der Tasche vorrätig haben kann. Ich habe noch keinen probiert, aber die Feedbacks lesen sich nicht positiv!

 

Blutuntersuchungen

 Nachfolgend sind viele gängige Borreliosetests sehr gut beschrieben mit ihren Vor- und Nachteilen und wann sie eingesetzt werden sollen. Jeder Test hat seine Vorzüge bei bestimmten Zeitintervallen, 100 % ig sicher ist keiner, es können bei allen unter gewissen Bedingungen falsch-negative und falsch-positive Ergebnisse vorkommen, außer dem PCR-Test aufgrund einer Hautstanze, wenn der positiv ist, dann hat man auch die Borrelien. Der schnellste Test ist der LTT, siehe Nr. 4

 

1. Labor-Testungen der humoralen Ebene (auf Antikörper): Borrelien IgM- und IgG-EIA (Enzymimmunoassay) sowie Borrelien IgM- und IgG-Immunoblot

 

1.2 Borreliose Test AK-18Save

vom Labor Dedimed, das auch die Bornavirustests macht. Blut kann man zusammen hinschicken. Dieses Testverfahren kann sogar die B. burgdorferi senu stricto ss vom US-Typ und dem europäischen Typ B.burgd. ss helvetica unterscheiden.

siehe https://dedimed.com/borreliose/test-ak-18save/

 

2. Labor-Testungen der zellulären Ebene:

Elispot®-LTT (Borrelien Elispot-Lymphozyten- Transformationstest), CD3-/CD57+ Zellen (NK-Zellen)

Elispot®-LTT, das ist eine Kombination von verbesserten Elisa und LTT. Im Link steht beschrieben, was der Unterschied zu einem normalen alten LTT ist: "Somit kann hier nicht zwischen einem akuten Geschehen und einer länger zurückliegenden Infektion unterschieden werden, was die Zahl der falsch-positiven Ergebnisse im LTT deutlich erhöht!" Nähere Infos darüber siehe hier: http://www.b-c-a.de/

Zum Elispot bei Neuroborreliose http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24710421: Ergebnis war wenig berauschend, die Sensitivität betrug 36% und die Spezifität 82%. Der Elispot habe daher keinen Nutzen in der Diagnostik.

 

PCR-Test:

 Da der Test auf dem Nachweis von borrelienspezifischer DNA beruht, muß diese in der Probe auch vorhanden sein, um ein positives Ergebnis zu erzielen. Borrelien können während der unterschiedlichen Infektionszyklen in verschiedenen Geweben vermehrt oder gar nicht vorkommen, daher ist die Wahrscheinlichkeit den Erreger oder dessen DNA zu erwischen, nicht höher als bei den übrigen beschriebenen Methoden (Einschätzungen durchführender Labore gehen von 30-50% Trefferwahrscheinlichkeit aus, je nach Lokalisation und Probenart). Negativ bedeutet also nicht automatisch, daß keine Borreliose vorliegt. Allerdings kann man bei positivem Test mit einigermaßen hoher Sicherheit davon ausgehen, daß es sich um eine akute Infektion mit dem Erreger handelt.

 Nach Rücksprache mit dem Zecken-Referenzlabor Zecklab wurde mir mitgeteilt, dass dieser Test nicht bei Blutproben empfohlen wird, da geringe Trefferquote, sondern nur bei Einschickung einer Hautstanze oder einer kulturellen Anzucht.

 Eine Antikörperbildung nach Erstinfektion ist frühestens nach 3-8 Wochen zu erwarten und nicht etwa schon beim Auftreten eines sich nach Infektion entwickelnden Erythema migrans.

 

Wird nach den Borrelien-Antikörpern gesucht, so ist dies frühestens 6Wochen nach dem Stich sinnvoll, denn dann erst zeigen sich IgM- und IgG-Antikörper im Blut.

Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt kann das serologsiche Ergebnis noch negativ bleiben, v.a. wenn nur mit dem IFT- oder den ELISA –(Screening)-Tests nach Borrelien-Antikörpern gesucht wird.

Genauere Aussagen über die aktuelle Infektionsaktivität erlauben dann erst der Immunoblot und auch der Borrelien-LTT(Lymphocytentransformationstest)).

 

2. ELISA-Test - Antikörpertest nicht sehr zuverlässig

 (Dieser Test wird von der gesetzl. Krankenkasse bezahlt - soll aber nur eine Empfindlichkeit von ca. 40 % haben und zeigt Werte erst nach 6 Wochen nach dem Stich an!

Schulmedizinisch wird lediglich der ELISA oder IFT, bei dem Antikörper im Blut gesucht werden, verlangt. Ist dieser negativ, soll keine Borrelieninfektion vorliegen. Dies ist grundsätzlich in Frage zu stellen, da die Borrelien in der Lage sind, sich an Körperzellen anzuheften oder sich sogar in der Zelle zu verstecken und deshalb nicht von den Immunzellen erkennbar sind und somit auch keine Antikörper gebildet werden können. Auch eine frühe Gabe von Antibiotika nach einem Zeckenstich kann die Antikörperbildung unterdrücken. Desweiteren kann dieser Test durch Kreuzreaktion mit anderen Erregern auch falsch positive Ergebnisse liefern. Gemessen werden IgM und IgG. IgM bedeutet Frisch-Infektion, IgG alte Infektion, also schon länger bestehend. Generell sagt ein Antikörpertest nur aus, ob man irgendwann mal mit diesen Erregern in Berührung gekommen ist, kann aber keine Aussage darüber treffen, ob der aktue Krankheitszustand damit zusammen hängen kann.

 Es gibt erfahrungsgemäß genug Patienten, bei denen der erste ELISA negativ und der Westernblot deutlich positiv sei. Ein fataler Irrtum, wenn diese Betroffenen mit nur dem ersten negativen Test dann garnicht behandelt würden.

 Aus diesem Grund sollte als Bestätigungstest gleichzeitig ein Westernblot, bei dem die einzelnen Proteinhüllen der Borrelien nachgewiesen werden, durchgeführt werden. Dieser Test kann zusätzlich eine Auskunft über das Stadium der Borreliose geben. Auch hier kann die Borrelien-Tarnkappe zu einem falsch negativen Ergebnis führen.

 

Grundsätzlich sollte die Labordiagnostik frühestens 4-8 Wochen nach dem Zeckenstich durchgeführt werden. Dieser Zeitraum wird für eine Immunantwort und somit zur Bildung von Antikörper benötigt. Des Weiteren sollte die Labordiagnostik in einem mit der Borreliendiagnostik vertrautem Labor durchgeführt werden.

 

Bei allen genannten Diagnoseverfahren schließt ein negatives Ergebnis eine Borreliose nicht aus (seronegative Borreliose). Letzte Zweifel darüber, ob eine Borreliose vorliegt oder nicht, können nicht ausgeräumt werden. Das gilt grundsätzlich für alle Stadien der Borreliose. Eine Borreliose, die keine typischen Krankheitsmerkmale zeigt, alleine am klinischen Symptombild zu diagnostizieren erfordert einen Arzt mit viel Erfahrung und weiterführende Ausschlussdiagnostik.

 

Lesen Sie dazu: Die Laboruntersuchung auf Borreliose: ein diagnostisches Dilemma: http://www.zeckenbiss-institut.de/borreliose_durch_zeckenbiss.html

 

Achtung!

 

- - IgM-Antikörper: auch bei akuten Verläufen (Erythema migrans) nur in ca. 40% der Fälle nachweisbar, Titerabfall und Verschwinden der IgM-Antikörper oft erst nach 4–6 Monaten, gelegentlich jedoch Persistieren positiver IgM-Titer (10%) über Jahre trotz Beschwerdefreiheit

 

- - IgG-Antikörper: bei chronischen Verläufen häufig höhere Titer als bei akuten Verläufen; zur Beurteilung laborinterne Referenzwerte beachten; persistierende IgG-Titer (bis 20%) über viele Jahre trotz ausgeheilter Symptomatik

 

- - bei borreliosetypischer klinischer Akutsymptomatik und negativer Borrelienserologie Verlaufsserologie nach 4 – 6 Wochen empfohlen

 

- - Falsch positive Befunde: z.B. bei akuter EBV-, VZV-, CMV-, Syphilis- und Hepatitis-Infektion

Quelle: S3-Leitlinien-Entwurf Neuroborreliose

 

3a. Test Westernblot oder Immunoblot

 (Dieser Test wird von der gesetzl. Krankenkasse bezahlt - er hat eine Empfindlichkeit von ca. 60 %! Aber die Regeln sind, dass zuerst der o.g. ELISA gemacht werden muß und erst, wenn der positiv oder zumindest grenzwertig ist, darf / soll ein Westernblot folgen. In Anbetracht der Unzulänglichkeit des ersteren Tests also ziemlich sinnlos und auch gefährlich, da viel zu viele Betroffene damit durchs Raster fallen und nicht behandelt werden - was sie dringend benötigen würden!

Der Immunoblot gibt anhand der nachgewiesenen Banden Auskunft über den ungefähren Infektionszeitpunkt (z.B. sind 25kD/OspC und 21 kD sehr frühe und 34 kD, 83 kD, 100 kD sehr späte Banden)

 Das Ergebnis eines Immunoblots ist dann als positiv zu bewerten, wenn Antikörper gegen mindestens zwei hochspezifische Proteine nachgewiesen werden. Bei Nachweis von Antikörpern gegen nur ein hochspezifisches Protein handelt es sich um ein fragliches Ergebnis. In diesem Fall ist der Blot mit einer zweiten, 14 Tage später entnommenen Serumprobe zu wiederholen. Für die Interpretation des IgM-Westernblots sind vor allem die frühen Banden 41 kDa (Flagellin), 39 kDa (BmpA und 25/21 kDa (Osp C) von Bedeutung. Generell sollten bei der Gesamtbeurteilung der Borrelien Westernblots nicht nur die Art und Anzahl sondern auch die Stärke der Banden in die Bewertung mit einbezogen werden.

 

3b: Test recomBlot Borrelia - ist ein erweiterter Westernblot:

 Der recom blot ist ein neuer erweiterter Westernblot auf chronische Belastung, also für die sog. Neuroborreliose. Dieser Tests ist sehr empfehlenswert für die Erfassung der chron. Borreliose, also der Neuroborreliose! Er puzzelt nämlich die einzelnen 3 Typen des Burgdorferie auseinander (B.senso strukto, B.garnii, B.afzelli), was von entscheidender Wichtigkeit ist für die Behandlung, da jeder der 3 Typen total andere Symptome hat - siehe Seite Borrelienarten

Die Antwort des Immunsystems auf die Infektion beginnt im Normalfall mit der Bildung der IgM-Antikörper, nach wenigen Tagen kommt es dann zu einem Anstieg der IgG-Antikörper gegen Borrelien - so läuft es eigentlich bei allen Infektionen ab. Nur läuft es bei den Borreliosetests sehr oft eben nicht so wie Normalfall ab. Es gibt viele falsch-positive (IgM-Antikörper ohne IgG-Antikörper) und falsch-negative Tests. Sie haben keinerlei diagnostische Bedeutung

 

3c) Neu! Der recomBead Borrelien-Immunoblot

 http://www.imd-berlin.de/fileadmin/user_upload/Diag_Info/261_Borrelien_Immunoblot_Luminex.pdf, der testet auch den neuen Typ Borrelia spielmanii mit, der bei anderen durchrutscht, aber mit zum Verursacher der rheumatoiden Arthritis gehört! (zahlt die Krankenkasse nicht!)

(Alle Tests ab hier werden nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt)

 

4. LTT (Lymphozytentransformationstest) Borreliose:
bereits ab 10. Tag nach dem Zeckenstich Ergebnisse zu erwarten

 Der LTT ist ein Test, der die adaptive Immunantwort, also die zellvermittelte Immunreaktion des sich anpassenden Immunsystems bestimmt. Dies ist letztendlich eine Reaktion, die demselben Zweig zugeordnet wird wie die Antikörperbildung durch B-Zellen. Im LTT werden lediglich sich teilende Zellen bestimmt, was einer parallel zur Antikörperbildung (Serologie) verlaufenden Reaktion entspricht.

 Er hat eine Empfindlichkeit von 90 % und wird zusammen mit dem weiter unten genannten CD 57-Test (mit der gleichen Empfindlichkeit) empfohlen von der Forschungsprojektgruppe EU Labortechnik

In 2012 wurde der LTT in einem anerkannten medizinischen peer review-Journal publiziert, siehe http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23091571 . Die Daten der Studie zeigen, dass der LTT bei korrekter Durchführung und Verwendung geeigneter Testantigene (auf anerkanntes Referenzlabor achten!) bei Patienten mit klinischer Borreliose vor Therapie eine Sensitivität von 89,4 % und eine Spezifität von sogar 98,7 % hat!

 Die schnellste Immunantwort ist nach heutigem Kenntnisstand die zelluläre, die sich durch einen Lymphocytentransformationstest (LTT) bereits 10 Tage (!) nach stattgefundener Infektion abbilden lässt. Der LTT stellt den frühestmöglichen Infektionsnachweis dar, wenn sich kein EM entwickelt hat und der LTT zeigt über die Höhe der SI-Werte den Aktivitätsgrad der Erkrankung an.

 Mit ihm können gegen Borrelien sensibilisierte T-Zellen (bestimmte Immunzellen) nachgewiesen werden. Diese Zellen können nur sensibilisiert werden, wenn sie auch wirklich Kontakt zu Borrelien hatten. Dieser Test ist hochspezifisch, aber wissenschaftlich noch nicht in jedem Bundesland anerkannt. Auch bei diesem Test können vereinzelt falsch negative Ergebnisse auftreten. Am aussagekräftigsten ist der LTT ca. 14 Tage nach Auftreten starker Symptome. Zu beachten ist, dass die Versanddauer des ungekühlten Blutes 12-24 Stunden nicht überschreiten darf und dieser Test nur von einigen Labors durchgeführt wird.

 

Nachweis einer aktiven zellulären Immunreaktivität gegen Borrelien-Antigene: Die klassische Labordiagnostik einer Infektion mit dem erst 1982 entdeckten Erreger Borrelia burgdorferi beruht auf dem Nachweis von Borrelien-Antikörpern mittels Suchtest (ELISA) und ggf. Bestätigungstest (Immunoblot). Aufgrund von Kreuzreaktionen mit anderen Erregern sowie verzögerter oder gar ausbleibender Antikörperbildung sowie ungewöhnlich langer IgM-Persistenzen ist der serologische Nachweis jedoch häufig nicht aussagefähig. Mit dem Lymphozytentransformationstest (LTT) wird eine Möglichkeit geboten, neben der humoralen Immunantwort auch die zelluläre Immunantwort nachzuweisen.

 

Erklärung des LTT - Auszug aus: http://www.imd-berlin.de/spezielle-kompetenzen/borreliose/ltt-borrelien.html

Nach umfangreichen Voruntersuchungen und Erprobung an mehr als 1000 Patienten kann der Lymphozytentransformationstest mit Borrelien-Testantigenen (LTT-Borrelien) zum Nachweis einer aktuell aktiven Borrelieninfektion empfohlen werden. Dabei wird die lymphozytäre Immunantwort auf Borrelienproteine nachgewiesen. Der Test fällt nur dann positiv aus, wenn borrelienspezifische T- Lymphozyten im Blut des Patienten vorhanden sind. Diese zeigen an, dass sich das Immunsystem zum Zeitpunkt der Blutabnahme in einer immunologischen Auseinandersetzung mit dem Erreger befindet. Erfolgt daraufhin eine effektive antibiotische Behandlung , wird der LTT- Borrelien ca. 4 bis 6 Wochen nach Therapie überwiegend negativ, zumindest kommt es zu einem signifikanten Rückgang der Stimulationsquotienten (SI- Werte). Das Ergebnis des LTT-Borrelientestes gibt damit dem behandelnden Arzt einen Hinweis über die Effektivität der antibiotischen Therapie bei dem jeweiligen Patienten. Ein negativer Befund im LTT-Borrelien-Test schließt eine aktive Infektion allerdings nicht hundertprozentig sicher aus. weiter im o.g. Link

 

Nachteile: Beim LTT springen auch andere Bakterien mit an, z.B. Ehrlichien (Anaplasmen)

 

5. Liquortest für Neuroborreliose

siehe S3-Leitlinie Neuroborreliose. Bei einer Neuroborreliose sind immer die Entzündungswerte, die Eiweißwerte etc. im Liquor erhöht. Darum ist hier der Test der Wahl erst immer der Liquortest. Die neuen Testverfahren können da auch entscheiden, ob die Infektion im Gehirn oder ZNS von Borrelien, Bornaviren oder anderen Erregern kommen.

 Folgende Untersuchungen sollen bei klinischem Verdacht auf eine Neuroborreliose (vgl. §§) durchgeführt werden:

 

1.4.11: Neuer Liquor-Marker soll die Diagnose einer Neuroborreliose sichern - Ein chemotaktisches Zytokin könnte sich als Marker für die Neuroborreliose eignen. Seinen Platz hätte es in der ganz frühen Phase einer akuten Infektion. Weiter unter http://www.aerztezeitung.de/news/article/647731/neuer-liquor-marker-sichert-diagnose-neuroborreliose.html

 Alte Liquor-Tests sollen nicht viel bringen. Laut dem Robert Koch Institut wurden nur 5 - 10% aller Liquortestungen zur Feststellung der Neuroborreliosefälle gemeldet.Der Anteil der Neuroborreliose am Gesamtgeschehen Borreliose wird auf ca. 20 - 30 % geschätzt.

 

26.10.10. Dazu ein aktueller Bericht von der Borreliose-Spezial-Ambulanz Dachau:

In einem Bericht der Klinik steht, dass echte Neuroborreliose doch sehr selten ist: "Die Krankheit sei nicht so weit verbreitet, wie viele denken. Seit März hatten wir vielleicht fünf Fälle.“

http://www.merkur-online.de/lokales/landkreis-dachau/spezialambulanz-borreliosekranke-894238.html

 

6. Interferon-Gamma-Test - Neues Testverfahren:

 Der neue, hochsensitive immunologische T-cellspot® Borrelien bietet die Möglichkeit, eine Borrelien-Infektion bereits in der Frühphase der Erkrankung zuverlässig zu diagnostizieren.

 http://www.ganzimmun.de/seiten/download_file.php?download_id=272

Interferon-Gamma-Test (Elispots/T-Cellspot) bei der häufigen Kombi Borreliose / Ehrlichiose, z.B.

 

Erkennung einer therapieresistenten Lyme Arthritis:

Groß und Mitarbeiter haben mit Hilfe des ELISPOTs herausgefunden, dass bei der Lyme Arthritis autoreaktive T-Zellen gebildet werden. Diese autoreaktiven Zellen, die sich gegen körpereigene Substanzen richten, reagieren sowohl mit dem Borrelien Antigen OSP A als auch mit einem körpereigenen Protein, das so genannte LFA-1. Durch diese Reaktion hervorgerufene Lymearthritiden werden nur durch Borrelia burgdorferi sensu stricto induziert. Hierbei muss darauf hingewiesen werden, dass auch bei Borrelien positiven Patienten ohne nachweisbare Lyme Arthritis teilweise autoreaktive T-Zellen gefunden werden.

http://www.aid-diagnostika.com/deutsch/kits/BorrelienEliSpot.html

 

dazu: Das "Shared Epitope" - Ein neuer Rheuma-Wegweiser - Lyme-Arthritis und das "Shared Epitope"

Eine Infektion mit Borrelia burgdorferi ss, US Lyme-Typ verursacht häufig Lyme-Arthritis. Bei etwa 10% der Betroffenen persisiert die Arthritis auch nach der Behandlung mit Antibiotika und dem Abklingen der Infektion. Träger des "Shared Epitope" QKRAA auf Allelen der HLA-DRB1*04 (DR4)-Gruppe sind prädisponiert für diese Antibiotika resistente Form der Lyme-Arthritis: http://www.aid-diagnostika.com/deutsch/kits/GenID/rdb_2035_d.htm

aid-diagnostika ist der Hersteller des Kits, ausführende Labore sind hier u.a.:

 

1. T-cellspot® Borrelien: hochsensitiver Nachweis Borrelien-spezifischer T-Lymphozyten: http://ganzimmun.at/seiten/download.php?action=show_download&download_id=272

 

7. Immuntoleranztest:

Quantifizierung mit dem ITT® Immuntoleranztest

 Hintergrund und Prinzip: Haben orientierende Tests wie der ImmunMultiTest IMT® oder der NK-Check® Hinweise auf Störungen der unspezifischen bzw. spezifischen zellulären Immunabwehr ergeben, sollten die zugrunde liegenden Störungen genauer analysiert werden. Die Regulation des Immunsystems erfolgt über Botenstoffe, die die Immunreaktion entweder in Richtung TH1 oder TH2 lenken. Besteht ein Ungleichgewicht der TH1 oder TH2-Regulatoren, ob altersbedingt oder durch chronische Multisystemerkrankungen, kommt es gehäuft zu Beschwerden. Der neuentwickelte ImmunToleranzTest ITT® untersucht in einer den Patienten nicht belastenden in-vitro-Untersuchung Störungen der Immunregulation. Der ITT klopft genau die Störungen von TH1 / TH2 ab

 

Indikation und Stellenwert: Wichtig ist der ITT® zur detaillierten Funktionsüberprüfung der Immunregulation bei Patienten mit chronischen Multisystemerkrankungen (z.B. MCS), Allergien Unverträglichkeitsreaktionen – auch im Rahmen von immunmodulierenden Therapien. Darüber hinaus eignet sich der Test zur weiterführenden Abklärung bei chronisch rezidivierenden Infekten, sowie zur Infekt-Risikoabschätzung vor chirurgischen Eingriffen. Auch im Rahmen einer differenzierten Immunoseneszenz-Anti-Aging-Beratung ist der Test sinnvoll, da er beispielsweise Schlussfolgerungen über einen TH1-TH2-Shift zulässt.

In der einfachsten Variante dient der ITT®-Test zur Bestimmung der TH1/TH2-Kompetenz des Patienten über die Bestimmung der Schlüsselzytokine IFN-gamma, IL2 und IL10 nach Stimulation. Eine spezielle Anwendung des ITT® ist die Darstellung der generellen Chemikaliensensitivität bei MCS-Patienten (ITT®-MCS) oder die Überprüfung der immunologischen Empfindlichkeit gegenüber elektromagnetischer Strahlung (ITT®-EMS). Zur Erkennung von Defiziten der Stressverarbeitung bzw. der endokrinen Immunregulation hat sich die Bestimmung eines Tagesprofils von Cortisol im Speichel bewährt. ....

 

8. CD57-Test bei chronischer Lyme-Borreliose

 Die Untersuchung einer CD57-Expression ergänzt die serologische Borrelien und Ko-Infektionen – Diagnostik und die diese evtl. ergänzenden Funktionstests, z.B. Elispot LTT® oder LTT-Test.

 Er hat eine Empfindlichkeit von 90 % für Erreger-Infektionen, was nicht heißt, allein für Borrelien!

 Klinische Studien und Fallbeobachtungen deuten darauf hin, dass chronische Borrelieninfektionen mit Veränderungen in der zellulären Immunabwehr einhergehen können. Ein Anzeichen hierfür ist eine verminderte Anzahl der sogenannten “Natürlichen Killerzellen” (natural killer cells, NK; CD3- CD56+), vor allem aber eine verringerte Absolutzahl und Anteil der aktivierten NK-Zellen (CD3- CD56+CD57+). Für eine zuverlässige Aussage bei der CD57-Bestimmung ist wichtig, daß bei der Analyse wirklich nur die Natural-Killer Zellen erfaßt werden und der Test nicht durch andere im Überschuss vorhandene Zellen, wie z. B. T-Lymphozyten, verfälscht wird. Während bei akuter Lyme-Borreliose und anderen Erkrankungen normale CD57-Werte gemessen wurden, wiesen Patienten mit chronischer Borrelieninfektion häufiger Werte unter 60 CD57+-Zellen/µl Blut auf. Es wird diskutiert, dass es zu einer Unterdrückung des Immunsystems durch die Borrelieninfektion selbst kommt, welche die Ausheilung verzögert und behindert. Es ist aber auch denkbar, dass manche Menschen von Natur aus über ein weniger starkes Immunsystem verfügen und deshalb ein erhöhtes Risiko einer chronifizierten Borrelieninfektion davontragen. Die beschriebenen Veränderungen wurden in stärkerem Maße bei Patienten mit Befall des Nervensystems beobachtet als bei Befall des Weichteil- und Skelettsystems. weiter hier: http://www.mlhb.de/uploads/media/LTT_und_CD57-Nachweis_zur_Diagnostik_der_Lyme-Borreliose__kl__060606.pdf

 

 Welche Bedeutung haben CD57-negative Natürlichen Killerzellen in der Borreliosediagnostik?

 CD57 ist eine Glucuronyltransferase und Teil der Aktivierungskaskade der Natürlichen Killerzellen (NK). Die NK-Zellen, die das Molekül CD57 auf ihrer Zelloberfläche exprimieren, werden als terminal differenzierte (ausgereifte) NK-Zellen angesehen. CD57-positive NK-Zellen (CD57+NK) zeigen im Vergleich zu den NK-Zellen, die CD57 nicht exprimieren (CD57-NK), die stärkere zytotoxische Kapazität. Im Normalfall exprimieren 30 – 60% der im Blut zirkulierenden NK-Zellen diesen Marker, wobei der Anteil im Alter ansteigt.

Patienten mit chronischer Borreliose haben gehäuft eine verminderte Anzahl an CD57+ NK-Zellen pro µl Blut (CD57+ NK). Diese Verminderung ist bei Patienten mit vorherrschenden neurologischen Symptomen signifikant deutlicher im Vergleich zu Patienten mit dominierenden muskuloskeletalen Beschwerden.

Aus den Publikationen von Stricker et al. leitet sich die Empfehlung ab, den „CD57 Status“ als Verlaufsmarker bei chronischer Borreliose zu verwenden, da nach erfolgreicher Therapie und damit einhergehenden Symptomverbesserungen der Anteil an CD57+ NK-Zellen ansteigt bzw. bei persistierender Aktivität erniedrigt bleibt. Entscheidend ist hier der individuelle Verlauf beim einzelnen Patienten, nicht der einmalig gemessene Wert!

Der CD57-Wert erlaubt dagegen nicht die Diagnosestellung „Borreliose“, da der Abfall der reifen NK-Zellen auch bei anderen Infektionen (HIV, CMV, HSV2), Tumorerkrankungen, Immundefekten und in ca. 5% auch bei Gesunden zu beobachten ist.

 

9) TH1/TH2 Balance

 Th1-Dominanz vermittelt einen chronischen Entzündungszustand.

Th2-Dominanz begünstigt allergische Reaktionen.

Der Th17 Reaktionsweg unterdrückt Th1-Reaktionen und chronifiziert Entzündungsprozesse.

 

10) Dunkelfeld-Mikroskopie

 hat eine Empfindlichkeit von 80 %, bereits im frühen STadium!

 findet Borrelien auch dort, wo andere Tests nichts finden, z.B. in den roten Blutkörperchen! Gute Mikroskope sind eine Voraussetzung, um möglichst viel zu finden.

 

Bluttest-Werte richtig lesen - hier wird alles genau erklärt:

 sehr guter erklärender Link: http://www.rheuma-online.de/news/artikel/das-r-o-special-borreliose-und-pse.html

Labordiagnostik der Borreliose: http://www.labor-enders.de/423.htmls und http://www.labor-enders.de/244.98.html

 und: http://www.aid-diagnostika.com/deutsch/kits/Immunoblots/IB_borellia_d.htm

 

Bedeutung der Western-/Immunoblot-Banden siehe http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Tabellen/21-Banden_Borrelien-Blot.htm

 

Sehr gute Infos zum Immunssystem und der Immunglobuline und ihre Funktion wie: Einteilung, IgG, IgA, IgM, IgD, IgE finden Sie hier: http://www.medizinfo.de/immunsystem/abwehr/immunglobuline.htm

 

Seronarbe

 Oft wird bei einem negativen Test von einer Seronarbe gesprochen. Was ist das?

Wird eine antibiotische Behandlung sehr früh nach dem Zeckenstich begonnen, kann dies die Bildung von Antikörpern beeinflussen und sogar verhindern

 Antikörper können an Proteine gebunden bleiben und so Komplexe bilden und dadurch für das Immunsystem wie auch die Testsysteme (ELISA, Westernblot) nicht erkennbar sein.

 Durch frühzeitige Cortisongabe z.B. bei Verwechslung des EM mit einer Allergie

 Das Immunsystem kann geschwächt sein z.B. durch Vorerkrankungen, toxische Belastungen (wie z.B.Hg) oder angeborene Immundefizite (IgM-oder MBL-Mangel ) u.v.a. (s. dazu auch die Literatur-Angaben unter www.praxis-Berghoff.de /Dokumente/ SerologieLyme BorrelioseStadiumIII.pdf

 Bei einer Seronarbe kann man Klarheit durch eine Dunkelfelduntersuchung aus Vollblut bekommen oder durch den LTT oder den Elispot - siehe oben

Quelle: Vortrag von Dr. Hopf-Seidel

 

 Antigene in der Borreliendiagnostik

 Zum Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien wurden zunächst lediglich Vollantigene verwendet. Diese kamen und kommen bei der Herstellung von Objektträgern für den IIFT und als Lysat-Vollantigene zur Herstellung von ELISA und IB zum Einsatz. (siehe Streifen 1-3, Abb. 1)

 Heute werden hierfür unterschiedliche Borrelienstämme verwendet: Während früher hauptsächlich die in Nordamerika vorkommende Borrelia burgdorferi sensu stricto (z. B. der Stamm B31) verwendet wurde, werden für europäische Testsysteme heute vorwiegend B. afzelii (z. B. der Stamm pKo) verwendet. Hintergrund ist, dass im Gegensatz zu Nordamerika, wo nur ein human pathogener Borrelienstamm (B. burgdorferi s.s.) bekannt ist, in Europa mindestens drei humanpathogene Stämme (nämlich: B. burgdorferi s.s., B. afzelii, B. garinii) vorkommen. Weitere Kandidaten (z. B. B. valaisiana) sind bekannt und führen möglicherweise ebenfalls zu Infektionen beim Menschen. Zusammen gefasst werden alle diese Borrelienstämme unter dem Überbegriff B. burgdorferi sensu lato (s.l.) und sind von den Rückfallfieber-Borrelien abzugrenzen.

 Wegen dieser Erregerheterogenität wurde ein Antigen gesucht, welches die Antikörper gegen möglichst viele Borrelienstämme erkennen kann. Hier wurde B. afzellii als am besten geeignet gesehen. In letzter Zeit nimmt jedoch die Kenntnis zu, dass unterschiedliche Borrelienstämme zu unterschiedlichen Organmanfestationen führen können. Bei der Neuroborreliose (NB) wird z.B. mit Abstand am häufigsten B. garinii isoliert und diese Tatsache wirft die Frage auf, ob zur Diagnose der NB nicht besser B. garinii als Antigen verwendet werden sollte.Quelle: http://www.labor-enders.de/244.98.html

Sensitivität / Spezifität

 Die "Sensitivität" (richtig positive Rate eines Tests) bezeichnet den Anteil der test-positiven Personen unter allen Erkrankten einer Stichprobe, d. h. die Wahrscheinlichkeit, mit einem diagnostischen Test die Kranken auch als krank zu identifizieren. Eine hohe Sensitivität wird angestrebt, wenn eine Erkrankung mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden soll.

 Die "Spezifität" (richtig-negative Rate eines Tests) beschreibt den Anteil der Test-negativen Personen unter allen Nicht-Erkrankten einer Stichprobe, d. h. die Wahrscheinlichkeit, mit einem diagnostischen Test Nicht-Erkrankte korrekt zu identifizieren. Eine hohe Spezifität wird angestrebt, wenn eine Erkrankung mit großer Sicherheit bestätigt werden soll.

 Hier sind die Aussagewerte in der Regel niedriger.

Eine Serumnarbe bedeutet persistierende Antikörper